Projekt Duisburg 7.2.2010
Abgesehen von unserem Haus, das sich direkt gegenüber einer Schule befindet, ist die St-Johann Straße eher lauschig und ruhig, es gibt lediglich gelegentlichen Anwohnerverkehr, geräuschmäßig gar nicht zu vergleichen mit der parallel gelegenen Wanheimer Straße oder der Jarresstraße. Architektonisch bietet sie einen Mix aus Gründerzeithäusern (oder ist das schon Jugendstil?) und Nachkriegsneubauten wobei sich Alt- und Neubauten die Waage halten. Vielleicht sollte man sich nicht alle Rückseiten der Häuser anschauen, unseres beispielsweise ist eines von zwei Häusern, die an dieser Ecke die Bombengriffe des zweiten Weltkrieges überstanden haben und von der Hofseite her sieht man ihm das auch recht deutlich an, diese Seite wurde nicht verputzt.. Die entstandenen Lücken wurden dem Stil nach zu urteilen schätzungsweise in den 50ern geschlossen. Einigen Häusern merkt man schon an, dass der letzte Außenputz schon einige Jahre alt sein muss, aber nirgends bröckelt es. Ich freue mich schon auf den Sommer, denn den einzigen grünen Teil der Straße, nämlich den Schulhof mit seinen Bäumen werden wir dann direkt vor unseren Fenstern haben und so was schätze ich als Hitzeempfindlicher sehr. Zu der Schule kann man nicht eigentlich viel sagen, vom Stil her würde ich ihr Baujahr in den dreißiger Jahren vermuten, nicht ganz so wuchtig und erschlagend wie viele Schulbauten vom Anfang des letzten Jahrhunderts, eher praktisch und funktional, in ihrem Anspruch an Repräsentativität aber noch als Schule erkennbar. Ich kenne die Schulformen in der Bundesrepublik immer noch nicht richtig, aber rein vom Alter der Kinder her tippe ich darauf, dass es eine Grundschule ist. Was mich sehr begeistert, ist die Pausenklingel, die wie der Filmanfangsgong in einem Kino klingt, in meiner Schule hatten wir da nur eine nervtötende Hupe. Aber ob die Kinder des Gongs wegen glücklicher sind, wäre noch zu erörtern.
Angesichts der Kinder beschleicht mich ausserdem noch schon so ein wenig Neid ihres Bewegungsdranges wegen. Freiwillig und ohne Bezahlung sich schnell bewegen – schlicht unvorstellbar für mich, der ich, entfleucht einer Familie bestehend aus lauter Sportfanatikern, mir in Bearbeitung dieses Traumas irgendwann mal den Spruch zu eigen gemacht habe „Jede Bewegung außer zur Ernährung oder zur Fortpflanzung ist sinnlos“.