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Skeptiker-Studie – Statistische Entlarvung der Astrologie-Lüge

Tuesday, December 8th, 2009

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Ein Horoskop sagt so viel aus, wie ein Blick in die Kristallkugel.

Psychologen wiesen nach: Es gibt keinen Beweis für Einfluss der Himmelskörper auf das Verhalten
Wien – Zwei Wiener Psychologen haben mit Hilfe der weltweit tätigen Skeptikerbewegung “Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften” (GWUP) den behaupteten Einfluss der Planeten auf die Menschen untersucht und kamen – wenig überraschend – zum Schluss: Es gibt ihn nicht.

“Akte Astrologie”

Die “Akte Astrologie” von Gunter Sachs kann nach Ansicht von Ivo Ponocny von der Modul-Universität und Elisabeth Ponocny-Seliger der Sigmund Freud Privatuniversität geschlossen werden. Der Industriellenerbe, Fotograf, Dokumentarfilmer und eben Astrologieforscher hatte in den 90er Jahren mit einem Team von Statistikern und Mathematikern Millionen von Daten überprüft und dabei festgestellte “signifikante Zusammenhänge” im Bestseller “Die Akte Astrologie” veröffentlicht.

Die beiden Psychologen haben etliche der beschriebenen Studien mit eigenen Datensätzen nachgerechnet. Basis waren aktuelle Statistiken der amtlichen österreichischen Bevölkerungsstatistik. Das Ergebnis: “Ein paar schwache Effekte. Aber kein Beleg für einen Einfluss der Sterne auf Partner- und Berufswahl, Scheidungen oder Todesursachen.”

Störche und Geburten

“In Europa nimmt die Zahl der Störche seit Jahrzehnten ab – ebenso sind die Geburtenzahlen rückläufig. Ist dies ein Beleg dafür, dass der Storch die Babys bringt?”, unkten Ponocny und Elisabeth Ponocny-Seliger. Ebenso wenig würden “Fische”-Geborene gefährlicher leben, wie eine “Unfallstatistik nach Sternzeichen” einer Versicherungsgesellschaft nahelegt. “In Wahrheit gibt es einfach nur besonders viele Menschen mit diesem Sternzeichen.” So könne man in großen Datenmengen scheinbar merkwürdige Effekte entdecken. “Der Zusammenhang kann also völlig bedeutungslos sein”, meinten die Wiener Psychologen. “Oder auch ganz andere Ursachen haben.”

Beispiel: “Schütze”- und “Widder”-Geborene ergreifen überdurchschnittlich häufig den Beruf des Landwirts. Hier wirke sich aus, “dass viele Eltern dieser Landwirte selbst Landwirt sind und offenbar eine Geburtenplanung praktizieren, welche den Zeitpunkt der Niederkunft in die Wintermonate verlegt”. Ähnliches lasse sich bei Bildungsabschlüssen beobachten: Menschen mit dem Sternzeichen “Krebs” oder “Jungfrau” werden auffallend seltener Akademiker als andere. Die Erklärung der Astrologie-Skeptiker: Da die Schule in der Regel im Spätsommer beginnt, werden “Krebs”- und “Jungfrau”-Geborene “gerade noch” eingeschult, was einen Entwicklungsnachteil gegenüber älteren Klassenkameraden bedeute.

“Jungfrauen”, “Steinböcke” und Fußballer

Unter den Sternzeichen “Jungfrau” und “Steinbock” kommen angeblich mehr Fußballspieler zur Welt. “Das ist richtig – und lediglich den traditionellen Stichtagen für die Einteilung in Altersklassen geschuldet”, meinen die beiden Psychologen. “Denn relativ ältere Kinder zeigen in derselben Altersklasse tendenziell stärkere Leistungen als die jüngeren. Und setzten sich daher leichter durch und bleiben dieser Sportart länger treu als weniger erfolgreiche Spieler.”

Viele weitere Beobachtungen in “Die Akte Astrologie” zu Selbstmorden, Eheschließungen oder Scheidungen konnten die Forscher gar nicht nachvollziehen. Ihr Fazit: “Weil Sternzeichen und Geburtstage aneinandergekoppelt sind, kann ein Geburtstagseffekt leicht als astrologischer Effekt erscheinen. Aber uns liegen mehr als deutliche Hinweise vor, dass wir es dabei mit einem recht irdischen Phänomen zu tun haben.” (red/APA)

Link
Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften

http://www.gwup.org/

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http://derstandard.at/1259281372263/Skeptiker-Studie-Statistische-Entlarvung-der-Astrologie-Luege

Statistik zwischen Lüge und Wahrheit – Zur Aussagekraft wirtschafts- und sozialstatistischer Aussagen

Tuesday, November 24th, 2009

Hans Wolfgang  Brachinger, Universität Fribourg:

Zusammenfassung:  Zwischen statistischer Information über einen Sachverhalt und der individuellen Wahrnehmung dazu treten immer wieder Diskrepanzen auf. Ausgehend von diesem Phänomen wird in dieser Arbeit das Verhältnis zwischen wirtschafts- und sozialstatistischer Information und dem Ausschnitt der Wirklichkeit, über den sie etwas auszusagen behauptet, neu überdacht. Nach einer allgemeinen Charakterisierung von statistischer Methodik und Arbeitsweise wird dazu zunächst der traditionelle Modell- und Wahrheitsbegriff dargestellt und kritisiert. Dann wird ein Begriff der Problem- und Wirklichkeitsangemessenheit entwickelt, welcher der Wirtschafts- und Sozialstatistik gerecht wird. Schließlich wird ein konstruktivistischer Modellbegriff vorgeschlagen, der zu einer pragmatischen Auffassung der Wahrheit wirtschafts- und sozialstatistischer Aussagen führt und Vorwürfe einer statistischen „Lüge“ in neuem Licht erscheinen lässt.

Volltext unter:  http://www.unifr.ch/dqe/papers/files/wp0003.pdf

Macht der Meinungsumfragen – Die Droge Demoskopie

Wednesday, September 23rd, 2009

Der Wille des Wählers ist kaum noch zu messen. Ein Grund: Viele Jüngere haben nur noch ein Handy. Die Forscher erreichen sie einfach nicht.

VON STEFAN REINECKE

Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist Anfang August auf Wahlkampftour. Kameramänner, Schaulustige, Journalisten drängen sich um ihn. Ein Lokalreporter fragt: “Herr Steinmeier, was sagen Sie zu den Umfragen?” Forsa hat gerade mal wieder einen historischen Tiefstwert für die SPD ermittelt. Steinmeier sagt, er blicke nach vorne und nicht auf die Umfragen von letzter Woche. Später sagt er trotzig: “Ich bin kein Umfrage-Junkie.”

Das stimmt nicht. Die gesamte politische Klasse ist süchtig nach Umfragen. Sie beeinflussen das politische Geschäft, sie entscheiden über Parteitage und das Ende von Koalitionen. So ließ Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen in Kiel die Koalition mit der SPD auch platzen, weil die Umfragewerte für die CDU blendend waren. Die Bundes-SPD legte ihren Parteitag auf einen Termin eine Woche nach der Europawahl im Juni. Laut Meinungsumfragen konnte die SPD mit Gewinnen rechnen, die der Parteitag feiern sollte. Doch die SPD stürzte auf 20,8 Prozent ab. Parteichef Franz Müntefering beklagte sich danach über Umfrageinstitute, die “uns doch 26, 27 Prozent versprochen hatten”.

Je diffuser wird, was Bürger wollen, je dichter das Dickicht von Lobbyverbänden ist, die auf Politiker einwirken, desto mehr klammern sich Parteimanager an die Zahlen. Denn die sind übersichtlich und eindeutig.

So ergibt sich eine scheinbar paradoxe Lage. Ohne Umfragen läuft im Politikbetrieb nichts – doch die Umfragen sagen immer weniger über das Wahlergebnis aus. Einen Absturz erlebten die Demoskopen vor vier Jahren, am 18. September 2005. Alle Institute hatten für die Union etwa 42 Prozent berechnet – sie bekam 35,2. Das ist kein Einzelfall. Bei den Landtagswahlen in Bayern 2008 ermittelten Forsa und Emnid für die CSU zehn Tage vor der Wahl mindestens 49 Prozent, die CSU bekam sechs Prozent weniger. Welche Konsequenzen haben die Institute daraus gezogen?

Klaus-Peter Schöppner, der Chef des Emnid-Instituts, meint: “Wir haben 2005 keinen Fehler gemacht.” Auch bei Emnid lag die Union bei der letzten Bundestagswahl bei 42 Prozent – aber eine Woche vor der Wahl, wie Schöppner betont. Will sagen: Die Umfrage war korrekt, doch offenbar haben ein paar Millionen in den letzten acht Tagen vor der Wahl ihre Meinung über die Union geändert.

Im Demoskopen-Sound heißt dies, dass die Wähler volatiler werden. Sie wählen nicht immer die gleiche Partei, sie springen häufiger zwischen den Lagern. Und sie haben die für Demoskopen höchst unerfreuliche Neigung, nicht zu wissen, wen sie wählen. So wächst die Zahl der Unentschlossenen stetig. 1998 entschieden sich 20 Prozent erst in der Woche vor der Wahl, 2005 waren zehn Tage vor der Wahl 32 Prozent unsicher, wen sie wählen, diesmal sind es, laut ZDF, 41 Prozent. Fast jeder Zweite. “Die Ad-hoc-Entscheidungen nehmen zu”, sagt Schöppner. “Die statistische Unsicherheit wächst.” Doch das Selbstbewusstsein der Meinungsforscher leidet darunter keineswegs.

Jörg Schönenborn, der in der ARD die Umfragen präsentiert, ließ am letzten Donnerstag zwar plakativ einen Balken schräg über die Zahlenkolonnen legen: “Keine Prognose”. Doch von solchen Selbstdistanz-Demonstrationen abgesehen, tun die Institute so, als wäre nichts passiert. Sie behaupten unverdrossen, dass die Fehlertoleranz ihrer Umfragen zwei bis drei Prozent beträgt. Das ist gemogelt. Diese Zahl suggeriert eine Genauigkeit, die es nicht mehr gibt. Die Fehlerquote von zwei bis drei Prozent gilt nur, wenn alle Befragten wissen, was sie wählen. Doch so ist es nicht mehr. Die Demoskopen nehmen einfach an, dass die Unentschlossen mehr oder weniger genauso wählen wie jene, die wissen, wen sie wählen. Das stimmt manchmal, manchmal nicht. “Im Vergleich zu Bankanalysten”, so Emnid-Chef Schöppner, “sind wir doch noch ganz gut.”

Manfred Güllner, Chef von Forsa, versteht die Kritik an der Demoskopie nicht. 1965, sagt er, ging die Wahl auch anders aus als von den Demoskopen erwartet. Und damals gab es noch Stammwähler und die Bürger waren keine wankelmütigen Wesen wie heute. “Umfragen sind nicht ungenauer als früher”, sagt Güllner. Das ist ein kühner Satz, wenn man sich die Forsa-Zahlen 2005 anschaut. Damals befragte Forsa bis zwei Tage vor der Wahl und ermittelte für die Union 41 bis 43 Prozent. Die Union bekam nur 35 Prozent. Dieser kollektive Sinneswandel hat sich in kaum 48 Stunden vollzogen. Die Forsa-Zahlen waren schlicht falsch.

Forsa veröffentlicht seitdem ungerührt weiter Umfragen. Derzeit wollen, laut Forsa, 26 Prozent die SPD und 36 die Union wählen. Ehrlich wäre, mit Rückblick auf 2005, die Angabe: mit 7 Prozent Fehlertoleranz. Genau genommen wollen derzeit laut Forsa also zwischen 19 und 33 Prozent die SPD und zwischen 29 und 43 die Union wählen.

Die Umfragen sind unpräziser, weil die Wähler wankelmütiger geworden sind. Zudem ist es auch schwieriger geworden, den Wähler, das unbekannte Wesen, repräsentativ zu erfassen. Denn die zufällige Telefonbefragungen, auf die fast alle Institute setzen, klappen nicht mehr so wie früher. Viele Angerufene legen entnervt auf, weil sie glauben, dass ihnen jemand etwas verkaufen will. “Die Call-Center”, so Güllner, “sind ein echtes Problem.” Der Politikwissenschaftler Andreas M. Wüst vom Zentrum für Europäische Sozialforschung in Mannheim meint, dass “vor zwanzig Jahren noch jeder zweite Angerufene mitgemacht hat, heute könne die Institute froh sein, wenn jeder dritte antwortet”.

Und: Viele Jüngere haben nur noch ein Handy und keinen Festnetzanschluss mehr. Auch das stellt die Institute vor eine kaum lösbar Aufgabe. Forsa und Emnid arbeiten zwar mit Handystichproben. Doch längere Interviews sind mit Handynutzern, die gerade Autofahren oder in der Kneipe sind, unmöglich.

Kurzum: Es ist aufwändiger und schwieriger geworden, per zufälliger Telefonbefragung ein repräsentatives Bild zu entwerfen. Güllner ficht die Kritik nicht an. “Unsere Methoden”, sagt er, “sind ausgereift.”

Der SPD-Linke Karl Lauterbach macht derzeit in Köln Wahlkampf, um am 27. September dort ein Direktmandat zu erobern. Er läuft von Haustür zu Haustür und ist überzeugt, dass Umfragen systematisch verzerren. “Viele potenzielle SPD-Wähler, mit denen ich rede, haben keinen Festnetzanschluss, sondern ein Prepaid-Handy”, sagt er. Für längere Interviews seien sie auch nicht zu erwärmen. Dies führe dazu, dass “die SPD in Umfragen unterbewertet ist”. Und das kann im politischen Kampf ein handfester Malus sein. Wenn klar ist, wer siegt, wählen die Bürger lieber den Gewinner. Bandwagon-Effekt nennen das Meinungsforscher.

Vor allem Manfred Güllner ist für die SPD ein rotes Tuch. Güllner ist die umstrittenste Figur im Geschäft. Er ist seit 45 Jahren SPD-Mitglied und galt lange als SPD-nah. Heute redet er über die SPD, als handle es sich um eine Ansammlung von Volltrotteln. Auffällig ist, dass Forsa stets miserable SPD-Werte präsentiert. Als Kurt Beck als SPD-Chef wankte, veröffentlichte Forsa, dass jeder dritte SPD-Genosse vielleicht austreten will. Die von Forsa somit angekündigte Austrittswelle blieb aus – aber Beck war danach noch unsicherer als zuvor. Im März 2008 taxierte Forsa Lafontaines Linkspartei im Saarland auf 29 Prozent, die SPD auf 16. Keine anderes Institut kam je auf annähernd ähnliche Werte. Kürzlich behauptete Güllner, dass die Bundes-SPD an einem Mittwoch vor ein paar Wochen nur noch 16 Prozent hatte. Fragt sich, wann Forsa den historische SPD-Tiefstwert für einen Mittwochnachmittag veröffentlichen wird.

Güllners Ruf in der Branche leidet zwar unter seiner marktschreierischen Attitüde – die Nachfrage nach Forsa-Zahlen ist indes ungebrochen.

Diskurs verkümmert

Umfragen sind nicht nur mächtig, weil sie Wahlen beeinflussen. Sie prägen und formen auch das Bild von Politik. Erhard Eppler, früherer SPD-Vordenker, hält das für eine Gefahr für die demokratische Öffentlichkeit. Politiker, die sich dauernd für Umfragewerte rechtfertigen, können nur verlieren. In der Frage nach Umfragen, so Eppler, stecke stets die Unterstellung, “dass es Politikern nicht um Inhalte geht, sondern nur um sich selbst”. Das wöchentliche Trommelfeuer der Umfragen, so Eppler, “verdeckt die Auseinandersetzung um die Sache”. Der politische Diskurs verkümmert zur Ausdeutung von Zahlen, die vielleicht stimmen, vielleicht auch nicht.

Ein Beispiel, welche Blüten die Fixierung auf Umfragen treibt, war Ende August im Spiegel zu lesen. “Wahlergebnisse frieren die Stimmung eines Moments für vier Jahre ein. Im Herbst 2005 lagen Union und SPD für einen kurzen Moment fast gleichauf. Es entstand ein Gleichgewicht der Kräfte. Schwierig wurde es, als dieses Gleichgewicht bald schon virtuell wurde. In den Umfragen lag die SPD dann weit zurück, sie war ein Scheinriese.”

Die Wahl, Essenz der demokratischen Legitimation, erscheint als zufällige, flüchtige Stimmung – die Umfrage als wahrer Ausdruck des Volkswillens. Die Simulation (”Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Wahl wäre?”) ersetzt das Ereignis. Wenn die launischen Wähler weiterhin die soliden Umfragetrends über den Haufen werfen – wäre es da nicht besser, auf die Wahl zu verzichten?

Mitarbeit: Paul Wrusch

© taz Entwicklungs GmbH & Co.

http://www.taz.de/1/politik/bundestagswahl/artikel/1/die-droge-demoskopie/

Studie – Klüger als man denkt

Thursday, August 27th, 2009

Von Anja Kühne
Fast ein Drittel (30 Prozent) der deutschen Schüler besuchen nach der Grundschule eine Schulform, die nicht ihrem tatsächlichen Leistungsniveau entspricht. Das geht aus einer neuen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Berliner Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, für die Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) aus dem Zeitraum 2006 bis 2008 ausgewertet wurden. Demnach gehen 17 Prozent der fast 900 repräsentativ ausgewählten Schüler auf einen Schultyp unterhalb ihres Leistungsniveaus (underachievement), die übrigen Schüler sind höher eingestuft, als ihre Leistungen erwarten lassen würden (overachievement). Das Risiko, auf einen Schultyp unterhalb der eigenen Fähigkeiten zu gehen, ist demnach für Kinder aus einem nichtakademischen Haushalt zweieinhalbmal so hoch wie für Kinder aus Akademikerfamilien. „Für manche Hauptschüler wäre sogar der Besuch eines Gymnasiums möglich gewesen“, schreiben die Bildungsforscher Heike Solga, Johannes Uhlig und Jürgen Schupp.

Patrick Meinhardt, der bildungspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, nannte die Ergebnisse der Studie einen „gesellschaftspolitischen Skandal“. „Wir müssen erreichen, dass jeder junge Mensch auch die Schule besucht, die seinen Fähigkeiten entspricht.“ Die WZB-Forscher selbst erklärten, die Folgen der Unterforderung seien „fatal“: Bildungskarrieren würden „im Keim erstickt“.

Drei Viertel der Akademikerkinder besuchen das Gymnasium, jedoch nur 29 Prozent der Jugendlichen, deren Eltern nicht studiert haben. Nur fünf Prozent der Akademikerkinder gehen auf die Hauptschule, aber 26 Prozent der Kinder ohne studierte Eltern. Zwischen den Schülern der drei untersuchten Schulformen Gymnasium, Haupt- und Realschule wurden breite Überlappungen der kognitiven Fähigkeiten festgestellt, die sich auch in den Deutsch- und Mathematikzensuren widerspiegeln. In einem Intelligenztest wurden verbale, numerische und figurale Fähigkeiten untersucht. Demnach sind sieben Prozent der Akademikerkinder unterschätzt worden, blickt man auf die Wahl ihres Schultyps, und sogar 16 Prozent der Kinder aus nichtakademischen Elternhäusern. Von den hinsichtlich ihrer Leistungen bei der Schulwahl überschätzten Schülern mit akademischem Hintergrund (18 Prozent) besuchen 86 Prozent das Gymnasium. Bei den überschätzten Kindern ohne studierte Eltern (16 Prozent) sind 47 Prozent am Gymnasium und 48 Prozent an der Realschule. In anderen Worten: Unter den Schülern, deren kognitive Fähigkeit die Schulwahl Gymnasium nicht erwarten ließ, sind besonders viele Akademikerkinder.

Warum werden so viele Schüler nach der Grundschule nicht der für sie am ehesten passenden Schulform zugewiesen? Die Bildungsforscher geben als Ursache die Entscheidungen von Lehrern und Eltern an. Bei den unterschätzten Schülern aus bildungsferneren Familien spielen Persönlichkeitsmerkmale (Habitus) jedenfalls keine große Rolle, schreiben die Forscher.

Die Zahl der in der Studie untersuchten Schüler ist zu gering, um Erkenntnisse über die Lage in den einzelnen Bundesländern abzuleiten, teilte das WZB mit. Eine andere WZB-Studie vom Mai hatte allerdings eine hohe Abhängigkeit der Bildungschancen vom Wohnort festgestellt: Manche Länder lassen erheblich mehr Schüler aufs Gymnasium als andere.

Die WZB-Untersuchung bestätigt die Ergebnisse der internationalen Lesestudie Iglu. Bei gleichen kognitiven Fähigkeiten und gleicher Leseleistung haben Kinder von Eltern, die der „oberen Dienstklasse“ angehören, eine mehr als zweieinhalbmal so große Chance auf eine Gymnasialempfehlung als Kinder von Facharbeitern und leitenden Angestellten.

Auch hatte bereits die Pisa-Studie erhebliche Überlappungen bei den Leistungen in den verschiedenen Schulformen festgestellt. Demnach lesen im Bundesschnitt die 25 Prozent der stärksten Hauptschüler so gut wie 25 Prozent der schwächsten Gymnasiasten. Die Hälfte der Berliner Schülerinnen und Schüler an den Real- und Gesamtschulen erreichte das gleiche Niveau wie 60 Prozent der schwächeren Gymnasiasten. Und 75 Prozent der Berliner Hauptschüler schnitten so gut ab wie die leistungsschwächere Hälfte der Jugendlichen an den Realschulen und den Integrierten Gesamtschulen.

Die WZB-Forscher legen Wert auf die Feststellung, dass es ihnen nicht darum geht, für eine bessere Aufteilung auf die verschiedenen Schulformen zu werben. Vielmehr müssten Entscheidungen über unterschiedliche Bildungswege möglichst spät fallen, um Bildungsungleichheiten abzubauen.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 27.08.2009)

http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/WZB;art304,2883886

Vorsorgeuntersuchungen – Fragwürdige Statistik

Sunday, August 16th, 2009
szmtag

Von Dr. med. Johannes Weiß

Beim Thema Vorsorgeuntersuchungen scheiden sich die Geister – und das gilt sowohl für Ärzte als auch für Patienten. Manche halten sie für unerlässlich, andere für pure Zeit- und Geldverschwendung. Schon der Name Vorsorgeuntersuchung ist unglücklich gewählt, denn er suggeriert, dass sich bestimmte Erkrankungen vermeiden lassen, wenn man nur regelmäßig zu diesen Untersuchungen geht.

Das stimmt so natürlich nicht. Früherkennungs- oder Screening-Untersuchung trifft die Sache daher wesentlich besser. Denn das Ziel ist es, eine Krankheit – etwa Krebs – frühzeitig zu erkennen, um sie dann besser behandeln zu können.

Solche Untersuchungen haben allerdings bei allem Nutzen ebenso Nachteile. Denn es gibt auch Tumoren, die unentdeckt keinen Schaden angerichtet hätten. In diesem Fall spricht man von einer Überdiagnose. Die Folge: Die Patienten haben Angst und unterziehen sich unangenehmen Behandlungen wie Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung, die gar nicht nötig gewesen wären.

Erst kürzlich kamen dänische Wissenschaftler in einer Studie zu dem Schluss, dass dies bei einem von drei Brustkrebsfällen, die im Screening aufgefallen sind, so ist. Ähnliche Daten gibt es auch zum Prostatakarzinom, der häufigsten Krebsart bei Männern: In einer Autopsiestudie aus dem Jahr 2004 hatten rund 60 Prozent der Männer im siebten Lebensjahrzehnt Prostatakrebs, waren aber an etwas völlig anderem gestorben. Das Risiko, in seinem Leben an Prostatakrebs zu sterben, beträgt dagegen nur etwa drei Prozent. Allerdings lässt sich leider nicht voraussagen, ob ein Tumor Schaden anrichten wird.

Nutzen von Screening-Programmen wird generell überschätzt

Obwohl so viel über Früherkennungsuntersuchungen geredet wird, sind die meisten Menschen schlecht darüber informiert, wie eine kürzlich vorgestellte Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung mit über 10.000 Teilnehmern in neun europäischen Ländern zeigte. So wird der Nutzen von Screening-Programmen generell überschätzt, besonders von Deutschen.

Von 1000 Frauen, die sich einer Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung unterziehen, sterben innerhalb von zehn Jahren vier an einem solchen Tumor. Nehmen sie nicht am Screening teil, sind es fünf, also nur eine mehr. Da dies einer Risikoreduktion von 20 Prozent entspricht, denken viele, dass von 1000 Frauen 200 durch die Mammographie ihr Leben retten – ein Trugschluss, der auf fehlenden Statistikkenntnissen beruht.

Dies soll nun nicht heißen, dass man nicht an den Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen soll. Aber es ist wichtig, sich vorher genau zu informieren.

[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2009
Erscheinungsdatum 15.08.2009

Links

Sunday, August 3rd, 2008

interessante Linksammlung zu Wissenschaftsthemen:

http://www.science-journalism.ch/html/links.html#1

Der Deutsche gesehen von draußen….

Wednesday, May 28th, 2008

….die ganze Umfrage hier, interessanterweise nur auf englisch:

http://www.spiegel.de/international/germany/0,1518,550107,00.html

Wer glaubt an den Klimawandel?

Monday, May 19th, 2008

http://www.scienceblogs.de/mathlog/2008/05/wer-glaubt-an-den-klimawandel.php

Leider ist der Ursprungslink nicht mehr greifbar, der erste Kommentar gibt noch ein paar speziellere Einschätzungen, z.B., dass insgesamt die Vermutung des menschlich verursachten Klimawandels mit zunehmenden Alter abnimmt und, dass es keinen großen Unterschied zwischen männlich und weiblich gibt. Aber auch das, was da ist, lässt doch Raum für etliches an Spekulationen:

Angenommen, jemand ist Republikaner, scheint er relativ unaufgeschlossen für die Annahme zu sein, dass der Klimawandel menschlich verursacht sein könnte, ist er dazu noch im Besitz eines höheren Bildungsabschlusses, ist er noch weniger aufgeschlossen für eine solche Argumentation. Bedingt das Erreichen des höheren Abschlusses die Unterwerfung unter einen Denkkodex der Wirtschaftshörigkeit und damit eine Immunisierung gegen Umweltschutzargumente ? Der Demokrat hingegen scheint sich mit zunehmenden Bildungsniveau Umweltschutzargumenten eher anschliessen zu können. Zuerst einmal suggeriert das, dass der Republikaner, wirtschaftsnah, in der Wirtschaft tätig und an deren Nutzen glaubend resp. glauben müssend, um adäquat darin agieren zu können, sich vielleicht allgemeinen Realitäten, so es sie denn gibt besser verschliessen kann/muss und der Demokrat vielleicht bedingt durch die Berufsfelder, in denen er tätig ist, Kultur, Kunst, Wissenschaft es sich eher leisten kann, eine realistischere Meinung zu dem Thema zu artikulieren, weil sein relatives Unbeteiligtsein eben diesen Realismus ermöglicht.

Ebensogut könnte es sein, dass sich mit zunehmenden Bildungsgrad unter Demokraten ein geradezu ideologischer realitätsverkennender aber sozialkompatibler Skeptizismus besser macht.

Das Ganze macht nur Sinn, wenn Demokraten/Republikaner noch mal aufgeschlüsselt werden nach den Bereichen, wo sie herkommen und was sie jetzt machen.

P.S.:

Nachtrag: der angegebene Link funktioniert nach Angaben von Herrn Kuessner, der mir freundlicherweise noch mal geschrieben hat – weiss net, was da los ist, kann auch sein, dass mein Rechner bestimmte Dokumente einfach net lesen will.

 

 

Links zu Statistik:
http://de.statista.org/
http://statconsultant.blogspot.com/

http://www.bka.de/pks/pks1999/index2.html